
Der Erfolg von Digitalprojekten scheitert selten an der Technik, sondern an der menschlichen Psyche: der tief sitzenden Angst der Mitarbeiter vor Daten.
- Der Fokus auf komplexe Tools wie Python ist meist überflüssig; die Stärkung von Excel-Fähigkeiten und der Einsatz von Low-Code-Anwendungen sind weitaus wirksamer.
- Die Motivation entsteht nicht durch Zwang, sondern durch das Aufzeigen eines direkten, persönlichen Nutzens, der den Arbeitsalltag erleichtert.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, die „Daten-Angst“ durch kleine, relevante Erfolgserlebnisse und eine offene Fehlerkultur abzubauen, anstatt auf breite, unpersönliche Tool-Schulungen zu setzen.
Ein neues Dashboard wird ausgerollt, glänzend und voller Potenzial. Doch Wochen später zeigt die Nutzungsstatistik ein düsteres Bild: Nur die IT und das Controlling greifen darauf zu. Die Sachbearbeiter, für die es gedacht war, bleiben bei ihren bewährten Excel-Listen. Dieses Szenario kennen viele Abteilungsleiter und HR-Entwickler in Deutschland nur zu gut. Die Reaktion ist oft reflexartig: Es werden mehr Schulungen gefordert, bessere Tools evaluiert oder an die Disziplin der Mitarbeiter appelliert. Man geht davon aus, das Problem sei ein Mangel an technischer Fähigkeit oder Veränderungswille.
Doch was, wenn die Wurzel des Problems viel tiefer liegt und emotionaler Natur ist? Was, wenn die eigentliche Blockade nicht Inkompetenz, sondern Angst ist? Die Angst, etwas falsch zu machen, vor Kollegen als inkompetent dazustehen, wertvolle Zeit an einer komplexen Oberfläche zu verlieren oder durch eine Maschine ersetzt zu werden. Diese „Daten-Angst“ ist eine unsichtbare, aber extrem starke Kraft, die selbst die besten Digitalisierungsstrategien zum Erliegen bringen kann. Sie entsteht aus dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und mit einer fremden Sprache konfrontiert zu sein, die nichts mit der eigenen, über Jahre erworbenen Fachexpertise zu tun hat.
Dieser Artikel bricht mit der traditionellen, tool-fokussierten Sichtweise. Stattdessen beleuchten wir den psychologischen Aspekt der Datenkompetenz. Wir zeigen Ihnen als Bildungsexperte, wie Sie diese fundamentalen Ängste nicht nur verstehen, sondern aktiv in Neugier und Motivation umwandeln können. Es geht nicht darum, aus jedem Sachbearbeiter einen Datenanalysten zu machen. Es geht darum, eine Relevanz-Brücke zwischen den abstrakten Daten und dem konkreten Arbeitsalltag jedes Einzelnen zu schlagen. Sie werden lernen, wie Sie Kompetenzen angstfrei ermitteln, Lernfenster im stressigen Alltag schaffen und den wahren Wert von Erfahrungswissen im digitalen Zeitalter heben.
Inhalt: Wie Sie Datenkompetenz im gesamten Unternehmen verankern
- Wie testen Sie das Daten-Level Ihrer Belegschaft, ohne Prüfungsangst auszulösen?
- Excel oder Python: Welche Tools muss ein Sachbearbeiter heute wirklich beherrschen?
- Wie nehmen Sie älteren Mitarbeitern die Angst vor Dashboards und KI-Tools?
- Wie schaffen Sie Zeitfenster für das Lernen von Daten-Skills im operativen Stress?
- Woran erkennen Sie, dass Ihre Data-Literacy-Initiative die Arbeitsqualität verbessert hat?
- Wie bringen Sie einem analogen Vertriebsteam bei, CRM-Daten zu vertrauen?
- Wie sichern Sie das Wissen von Babyboomern, bevor sie in Rente gehen?
- Welche IT-Basiskompetenzen sind heute für BWLer unverzichtbar, um nicht abgehängt zu werden?
Wie testen Sie das Daten-Level Ihrer Belegschaft, ohne Prüfungsangst auszulösen?
Der klassische Kompetenztest ist oft der erste Fehler in einer Data-Literacy-Initiative. Er erzeugt sofort eine Prüfungssituation, schürt Versagensängste und motiviert Mitarbeiter eher dazu, ihre Wissenslücken zu verbergen, statt sie offen zu legen. Eine moderne Herangehensweise ersetzt die Testkultur durch eine Frage-Kultur. Das Ziel ist nicht, Defizite zu benoten, sondern Potenziale in einem sicheren, kollaborativen Umfeld zu entdecken. Statt abstrakter Tests sollten Sie auf praxisnahe Formate setzen, die den Teamgeist fördern und direkt an die Lebenswirklichkeit der Mitarbeiter anknüpfen.
Eine hervorragende Methode sind interaktive Workshops mit realen, aber anonymisierten Unternehmensdaten. In diesen können Teams gemeinsam an einer konkreten, bekannten Herausforderung arbeiten. Eine Studie über Datenkompetenz in deutschen Unternehmen zeigt, wie erfolgreich dieser Ansatz sein kann. Bei einer Eisenbahngesellschaft wurde beispielsweise die Leerlaufzeit von Lokomotiven analysiert. Die Mitarbeiter aus dem operativen Betrieb brachten dabei völlig andere, wertvolle Perspektiven ein als reine Datenwissenschaftler, wie eine Analyse von Praxis-Fall-Workshops zeigt. Solche Formate decken nicht nur den Ist-Zustand der Fähigkeiten auf, sondern fördern auch die Kommunikation und Wertschätzung zwischen verschiedenen Abteilungen.

Der Schlüssel liegt darin, den Fokus vom Individuum auf das Team zu verlagern. Gamification-Elemente wie „Data Escape Rooms“ oder kleine Team-Challenges können den Prozess spielerisch gestalten. Anonyme Selbsteinschätzungen zu Beginn können ebenfalls helfen, eine ehrliche Bestandsaufnahme ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. So schaffen Sie eine Atmosphäre, in der Neugier über Angst siegt und Lernen als gemeinsame Entdeckungsreise wahrgenommen wird.
Excel oder Python: Welche Tools muss ein Sachbearbeiter heute wirklich beherrschen?
Die Diskussion um die richtigen Tools für Sachbearbeiter ist oft von Extremen geprägt. Während die einen auf komplexe Programmiersprachen wie Python schwören, klammern sich andere an altbekannte Excel-Tabellen. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte und hängt stark von der spezifischen Rolle ab. Für die grosse Mehrheit der Mitarbeiter im administrativen Bereich ist die Forderung nach Programmierkenntnissen nicht nur unrealistisch, sondern auch demotivierend. Sie nährt die Angst, den Anschluss zu verlieren, und lenkt vom eigentlichen Ziel ab: Daten im eigenen Kontext besser zu nutzen.
Eine aktuelle Marktanalyse deutscher Low-Code-Plattformen bestätigt, dass für etwa 90 % der Sachbearbeiter fundierte Excel-Kenntnisse (insbesondere Pivot-Tabellen und Formeln wie SVERWEIS) in Kombination mit Low-Code- oder No-Code-Tools völlig ausreichend sind. Werkzeuge wie Microsoft Power Apps, Power Automate oder Zapier fungieren als Brückentechnologie. Sie ermöglichen es Mitarbeitern ohne Programmierkenntnisse, eigene kleine Anwendungen zu erstellen, Prozesse zu automatisieren und Daten aus verschiedenen Quellen zu verbinden. So entsteht der „Bürgerentwickler“ (Citizen Developer), der seine Fachkenntnis nutzt, um digitale Lösungen für seine eigenen Probleme zu bauen.
Die spezifischen Anforderungen variieren je nach Abteilung, wie die folgende Übersicht zeigt. Es geht nicht darum, ein Tool um seiner selbst willen zu lernen, sondern gezielt die Fähigkeiten zu erwerben, die den grössten Mehrwert im Arbeitsalltag bringen.
| Rolle | Basis-Tools | Fortgeschrittene Tools | Lernaufwand |
|---|---|---|---|
| Buchhaltung | Excel (Pivot, SVERWEIS) | Power BI | 2-4 Wochen |
| Vertriebsinnendienst | Excel, CRM-Basics | Power Apps | 3-6 Wochen |
| Logistik | Excel, ERP-System | Power Automate | 4-8 Wochen |
| Marketing | Excel, Dashboards | Tableau, Zapier | 4-6 Wochen |
Anstatt also eine breite Python-Offensive zu starten, ist es für die meisten Unternehmen weitaus strategischer, in eine exzellente Excel-Ausbildung und den gezielten Einsatz von Low-Code-Plattformen zu investieren. Dies senkt die Einstiegshürde dramatisch und ermöglicht schnelle, sichtbare Erfolge, die wiederum die Motivation für weitere Lernschritte fördern.
Wie nehmen Sie älteren Mitarbeitern die Angst vor Dashboards und KI-Tools?
Gerade langjährige, erfahrene Mitarbeiter hegen oft eine gesunde Skepsis gegenüber neuen digitalen Werkzeugen. Diese Haltung wird fälschlicherweise als Widerstand interpretiert, dabei ist sie oft ein Ausdruck von Professionalität und der Sorge, dass bewährte Prozesse durch unzuverlässige Technik ersetzt werden. Die Angst vor Dashboards und KI-Tools speist sich selten aus Technikfeindlichkeit, sondern aus dem Gefühl, die über Jahre aufgebaute Erfahrungskompetenz werde entwertet. Der Schlüssel zur Überwindung dieser Hürde liegt in Empathie, Respekt und dem Bau von gezielten Relevanz-Brücken.
Anstatt sie mit einem komplexen Dashboard zu überfordern, identifizieren Sie einen einzigen, konkreten „Schmerzpunkt“ in ihrem Alltag. Zeigen Sie ihnen genau die eine Funktion, die ihnen nachweislich zwei Stunden repetitive Arbeit pro Woche erspart. Dieser kleine, aber spürbare Nutzen ist überzeugender als jede theoretische Präsentation. Ein weiterer bewährter Ansatz ist das Reverse-Mentoring. Hier erklären jüngere, technikaffine Kollegen die Bedienung der Tools, während die älteren Kollegen den geschäftlichen Kontext und die „Warum“-Fragen dahinter beleuchten. Dies geschieht auf Augenhöhe und wertschätzt beide Seiten. Die Zurich Insurance Group hat beispielsweise erfolgreich ein Modell implementiert, bei dem jüngere und ältere Mitarbeiter gemeinsam an Lösungen mit der Microsoft Power Platform arbeiten und so ihre jeweiligen Stärken einbringen.

Auch die Art der Einführung spielt eine grosse Rolle. Ein Dashboard zunächst auszudrucken und die Logik und die Kennzahlen in einem vertrauten, analogen Format zu besprechen, kann Wunder wirken. Sobald der Inhalt verstanden ist, fällt der Übergang zum digitalen Medium viel leichter. KI-Konzepte lassen sich ebenfalls entmystifizieren, indem man sie mit Alltagsbeispielen wie den Filmempfehlungen von Netflix oder der Stauvorhersage von Google Maps vergleicht. Es geht darum, das Fremde vertraut zu machen und zu zeigen, dass neue Tools die Erfahrung nicht ersetzen, sondern sie veredeln.
Wie schaffen Sie Zeitfenster für das Lernen von Daten-Skills im operativen Stress?
„Wir haben keine Zeit“ ist der häufigste und valideste Einwand gegen Weiterbildungsinitiativen. Der operative Druck in deutschen Unternehmen ist hoch, und oft bleibt für das Lernen neuer Fähigkeiten kein Raum. Das Problem ist systemisch: Laut dem HR-Monitor 2025 von McKinsey erhielten in Deutschland 44 % der Mitarbeitenden 2024 keine Fort- oder Weiterbildung – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Diese Lücke ist ein erhebliches Risiko für die Zukunftsfähigkeit. Führungskräfte sind daher gefordert, Lernen nicht als zusätzlichen Aufwand, sondern als integralen Bestandteil der Arbeit zu etablieren.
Der traditionelle Ansatz – mehrtägige Blockseminare – ist oft unpraktikabel und wenig nachhaltig. Stattdessen haben sich flexible „Lern-Inseln“ im Arbeitsalltag bewährt. Dabei handelt es sich um kurze, geschützte Zeitfenster, die fest im Kalender verankert sind. Dies können beispielsweise sein:
- Data-Donnerstag: Eine feste Stunde pro Woche, in der das Team gemeinsam an einer Daten-Challenge arbeitet oder ein Kollege eine neue Funktion vorstellt.
- Fokus-Freitag: 90 Minuten am Freitagnachmittag, die ausschliesslich für Online-Kurse oder das Experimentieren mit neuen Tools reserviert sind.
- Micro-Learning: Kurze Lerneinheiten von 5-10 Minuten, die per E-Mail oder im Team-Chat geteilt werden und einen schnellen, anwendbaren Tipp vermitteln.
Ein inspirierendes Beispiel aus dem akademischen Bereich, das sich auf Unternehmen übertragen lässt, liefert die TU Dortmund. Mit ihrem Programm „DaCoNet Basic“ wurden Online-Selbstlernphasen für die Grundlagen flexibel mit praktischen „Open Data Hacking Spaces“ kombiniert. Dies ermöglichte es den Studierenden, Lernzeiten individuell in ihren Alltag zu integrieren, ohne den regulären Betrieb zu stören. Der Schlüssel ist, Lernen von einem starren Event zu einem fliessenden Prozess zu machen. Es muss offiziell erlaubt, gefördert und von den Führungskräften vorgelebt werden. Nur wenn Lernen als Arbeitszeit anerkannt wird, kann es sich im operativen Stress nachhaltig durchsetzen.
Woran erkennen Sie, dass Ihre Data-Literacy-Initiative die Arbeitsqualität verbessert hat?
Der Erfolg einer Data-Literacy-Initiative lässt sich nicht allein an der Anzahl der geschulten Mitarbeiter messen. Echte Veränderung zeigt sich in der täglichen Arbeit, in der Art, wie gesprochen, entschieden und zusammengearbeitet wird. Es geht um einen qualitativen Wandel, der oft subtil beginnt, aber weitreichende Auswirkungen hat. Als Führungskraft oder HR-Entwickler sollten Sie daher nicht nur auf Zertifikate, sondern vor allem auf verhaltensbasierte Indikatoren achten. Diese zeigen Ihnen, ob die neuen Fähigkeiten nicht nur erlernt, sondern auch wirklich verinnerlicht und angewendet werden.
Ein erstes, starkes Signal ist eine sprachliche Veränderung in Meetings. Wenn Mitarbeiter beginnen, ihre Argumente nicht mehr mit „Ich glaube“ oder „Meiner Erfahrung nach“ einzuleiten, sondern mit „Die Daten aus dem System zeigen, dass…“, hat ein fundamentaler Wandel stattgefunden. Dies signalisiert den Übergang von einer meinungsbasierten zu einer evidenzbasierten Entscheidungskultur. Ein weiterer, harter Indikator ist die messbare Prozesseffizienz. Lässt sich dokumentieren, dass die Erstellung des Monatsreportings von vier Stunden auf 15 Minuten reduziert wurde, weil ein Mitarbeiter nun Pivot-Tabellen beherrscht? Das sind die Erfolgsgeschichten, die geteilt werden müssen.
Auch die Entlastung der Experten-Abteilungen ist ein klares Zeichen. Wenn die Anzahl der Standard-Rückfragen an die IT oder das Controlling abnimmt, weil Sachbearbeiter einfache Auswertungen nun selbstständig erstellen können, werden wertvolle Ressourcen für komplexere Analysen frei. Um diese Entwicklungen sichtbar und messbar zu machen, ist ein systematischer Ansatz zur Erfolgsmessung unerlässlich.
Ihr Audit-Plan: Erfolg von Data Literacy messbar machen
- Beobachtungspunkte definieren: Legen Sie fest, welche Verhaltensänderungen Sie beobachten wollen (z.B. datengestützte Argumentation in Meetings, Nutzung von Dashboards).
- Vorher-Nachher-Analyse: Dokumentieren Sie konkrete Kennzahlen vor der Initiative (z.B. Zeitaufwand für Reports, Anzahl Rückfragen an IT) und vergleichen Sie diese nach 3 und 6 Monaten.
- Erfolgsgeschichten sammeln: Richten Sie einen dedizierten Kanal (z.B. in Microsoft Teams) ein, in dem Mitarbeiter ihre kleinen „Data-Aha-Momente“ und Effizienzgewinne teilen können.
- Qualitative Interviews führen: Sprechen Sie gezielt mit Mitarbeitern und fragen Sie, wie sich ihre Arbeit konkret verändert hat und wo sie den grössten Nutzen sehen.
- Kompetenz-Matrix pflegen: Visualisieren Sie die Entwicklung der Team-Kompetenzen auf einer anonymisierten Matrix, um Fortschritte und verbleibende Lücken zu erkennen.
Wie bringen Sie einem analogen Vertriebsteam bei, CRM-Daten zu vertrauen?
Vertriebsmitarbeiter sind oft stark beziehungsorientiert und verlassen sich auf ihre Intuition und ihr persönliches Netzwerk. Ein CRM-System wird daher schnell als reines Kontrollinstrument der Geschäftsführung wahrgenommen, dessen Pflege nur zusätzliche Arbeit bedeutet. Der Schlüssel zur Akzeptanz liegt darin, diesen Narrativ umzudrehen: Das CRM ist kein Kontroll-, sondern ein Unterstützungswerkzeug, das hilft, mehr und besser zu verkaufen. Vertrauen entsteht hier nicht durch Anweisungen, sondern durch den Beweis des Nutzens und die Entlarvung der Schwächen alter Methoden.
Ein wirkungsvoller Eisbrecher ist die Konfrontation mit den Fakten. Die meisten Vertriebler pflegen ihre Kontakte in unzähligen Excel-Listen – ein System, das fehleranfällig ist. Hier kann eine schockierende, aber wahre Statistik helfen, die Augen zu öffnen. Wie eine Studie in „Frontiers of Computer Science“ zeigt:
Eine Studie zu Excel-Fehlern in Unternehmen aus dem Jahr 2024 ergab, dass 94 % der Excel-Tabellen, die für geschäftliche Entscheidungen verwendet werden, Fehler enthalten.
– Frontiers of Computer Science
Diese Erkenntnis schafft eine Öffnung für die Idee, dass ein zentrales, sauberes System wie ein CRM nicht nur sicherer, sondern auch effizienter ist. Um die Akzeptanz weiter zu fördern, haben sich Gamification-Ansätze als äusserst wirksam erwiesen. Ein öffentliches Leaderboard, das den Mitarbeiter mit der höchsten Datenqualität oder den meisten eingetragenen Follow-up-Aktivitäten auszeichnet, weckt den natürlichen Wettbewerbsgeist. Team-Challenges, bei denen es darum geht, gemeinsam die Kontaktdaten für einen wichtigen Account zu vervollständigen, stärken den Zusammenhalt. Wichtig ist, dass diese Elemente stets positiv und motivierend gestaltet sind.
Ein weiterer, sehr menschlicher Ansatz ist die Schaffung einer internen Anlaufstelle, die Fragen auf Augenhöhe beantwortet. Das US-Unternehmen Farm Credit Services of America schuf dafür die fiktive Persona „Walt“, die über einen internen Blog datenbezogene Fragen der Mitarbeiter beantwortete. Dies nahm den Druck von den IT-Teams und schuf eine nutzerfreundliche, nicht-technische Lernumgebung, die das Vertrauen in die Systeme nachhaltig stärkte.
Wie sichern Sie das Wissen von Babyboomern, bevor sie in Rente gehen?
In den kommenden Jahren rollt eine beispiellose Rentenwelle durch deutsche Unternehmen. Mit den Babyboomern verlässt nicht nur Arbeitskraft, sondern vor allem ein riesiger Schatz an implizitem Wissen die Betriebe. Dieses Prozess- und Kontextwissen – das „Wie“ und „Warum“ hinter den Abläufen – ist in keinem Handbuch dokumentiert, aber für das Funktionieren des Unternehmens oft überlebenswichtig. Die Digitalisierung kann hier eine entscheidende Rolle spielen, dieses Wissen zu sichern, aber nur, wenn der Prozess menschlich und wertschätzend gestaltet wird. Laut einer Prognose von McKinsey wird der Rückgang der Arbeitszeit mit manuellen Fähigkeiten bis 2030 in Deutschland 22 % betragen – ein Trend, der die Notwendigkeit des Wissenstransfers unterstreicht.
Der erste Schritt ist, die Rolle der ausscheidenden Mitarbeiter neu zu definieren: Sie sind keine auslaufenden Modelle, sondern wertvolle Prozess-Experten und Mentoren. Anstatt sie passiv auf die Rente warten zu lassen, geben Sie ihnen die aktive Aufgabe, ihr Wissen zu transferieren. Eine effektive Methode ist die „Prozess-Archäologie“: In moderierten Sitzungen arbeiten junge und erfahrene Mitarbeiter zusammen. Der Senior-Experte beschreibt einen Arbeitsablauf Schritt für Schritt, während der Junior-Kollege die Aufgabe hat, dieses implizite Wissen in explizite Regeln, Prozessdiagramme oder sogar in eine Low-Code-Anwendung zu übersetzen. Dieser Tandem-Ansatz sichert nicht nur das Wissen, sondern fördert auch den Respekt zwischen den Generationen.
Es ist jedoch entscheidend, sich nicht in Details zu verlieren. Statt einer uferlosen Dokumentationsflut sollte man eine Wissenslandkarte erstellen, die die kritischen 20 % des Wissens identifiziert, die für 80 % des Erfolgs verantwortlich sind. Priorisieren Sie die Prozesse, die am komplexesten, am schlechtesten dokumentiert und am geschäftskritischsten sind. Video-basierte Formate sind ebenfalls ein mächtiges Werkzeug. Ein aufgezeichnetes Interview, in dem ein Experte seine Vorgehensweise direkt am Bildschirm erklärt, ist oft wertvoller als ein 100-seitiges Handbuch. So wird das wertvolle Erfahrungswissen nicht nur konserviert, sondern lebendig und für die nächste Generation zugänglich gemacht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die grösste Hürde für Datenkompetenz ist nicht technisches Unvermögen, sondern die psychologische Angst vor Kontrollverlust und Bewertung.
- Praxisrelevanz schlägt Tool-Vielfalt: Konzentrieren Sie sich auf die Lösung konkreter, alltäglicher Probleme mit einfachen Mitteln (Excel, Low-Code) statt auf breite Schulungen für komplexe Software.
- Schaffen Sie eine Kultur des Fragens statt des Testens, in der Wissenslücken als Chance zur gemeinsamen Weiterentwicklung und nicht als persönliches Versagen gesehen werden.
Welche IT-Basiskompetenzen sind heute für BWLer unverzichtbar, um nicht abgehängt zu werden?
Die Rolle des Betriebswirts (BWLer) befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wo früher BWL und IT zwei getrennte Welten waren, verschmelzen sie heute zusehends. Ein BWLer, der keine grundlegende Datenkompetenz besitzt, riskiert, den Anschluss zu verlieren und in strategischen Diskussionen nicht mehr auf Augenhöhe agieren zu können. Die McKinsey-Studie „Skill Shift“ untermauert diesen Trend: Der Anteil der Arbeitszeit für technologische Expertise steigt in Deutschland bis 2030 von 14 % auf 19 %. Doch was bedeutet „IT-Basiskompetenz“ für einen Nicht-ITler konkret?
Es geht nicht darum, dass jeder BWLer programmieren lernen muss. Viel wichtiger ist die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, Daten kritisch zu hinterfragen und die Ergebnisse von Analysen in Geschäftsentscheidungen zu übersetzen. Die Kernkompetenz ist nicht das Coden, sondern das logische Strukturieren von Problemen. Ein BWLer muss in der Lage sein, eine Geschäftsfrage in eine Datenfrage zu übersetzen (z.B. „Welche Kundengruppe ist am profitabelsten?“), die Qualität von Datenquellen zu beurteilen (Sind die Daten vollständig? Gibt es einen Bias?) und die Ergebnisse einer Analyse zu interpretieren und zu visualisieren.
Konkret lassen sich die unverzichtbaren IT-Basiskompetenzen in drei Bereiche gliedern. Erstens: Exzellente Beherrschung von Excel, inklusive Pivot-Tabellen, komplexer Formeln und Datenmodellierung. Zweitens: Die Fähigkeit, ein Business-Intelligence-Tool (wie Power BI oder Tableau) zu nutzen, um interaktive Dashboards zu erstellen und Daten visuell zu explorieren. Drittens: Ein Grundverständnis für Datenbanken und APIs. Ein BWLer muss nicht selbst eine Datenbank aufsetzen, aber er sollte verstehen, wie Daten strukturiert sind und wie Systeme über Schnittstellen (APIs) miteinander kommunizieren können. Diese Kompetenzen bilden die Brücke zwischen Fachabteilung und IT und machen den modernen BWLer zu einem wertvollen Übersetzer und Gestalter der digitalen Transformation.
Häufige Fragen zur Datenkompetenz für Betriebswirte
Muss ein BWLer programmieren können?
Nein, aber BWLer müssen datenkompetent sein – das bedeutet, sie können die Zuverlässigkeit von Datenquellen beurteilen, Daten zielgerichtet aufbereiten und sinnvolle Schlüsse daraus ziehen.
Welche konkreten Tools sollte ein BWLer beherrschen?
Mindestens Excel auf fortgeschrittenem Niveau (Pivot-Tabellen, SVERWEIS), ein BI-Tool wie Power BI oder Tableau für Visualisierungen, und Grundverständnis für API-Konzepte und Datenbanken.
Wie wichtig ist DSGVO-Wissen für BWLer?
Essentiell – BWLer müssen die praktischen Implikationen für Marketing (Einwilligungsmanagement), HR (Mitarbeiterdaten) und Produktentwicklung („Privacy by Design“) anwenden können.