Veröffentlicht am März 12, 2024

Die Halbierung Ihrer Time-to-Market erreichen Sie nicht durch Optimierung, sondern durch die radikale Eliminierung ganzer Prozessphasen.

  • Physische Prototypen werden durch digitale Zwillinge und 3D-Druck über Nacht ersetzt.
  • Synchrone Entscheidungsmeetings weichen einer asynchronen, tool-gestützten Infrastruktur.
  • Die „Perfektionsfalle“ wird durch die disziplinierte Auslieferung von „gut genug“-Lösungen (MVPs) umgangen.

Empfehlung: Hören Sie auf, bestehende Prozesse zu beschleunigen. Identifizieren und eliminieren Sie stattdessen die Zeitfresser in Ihrem Entwicklungszyklus rigoros.

In den Führungsetagen deutscher Unternehmen ist es ein offenes Geheimnis: Die Konkurrenz scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Während das eigene Team noch an der Perfektionierung des Prototyps feilt, ist das Konkurrenzprodukt bereits auf dem Markt, sammelt Kundendaten und erobert Marktanteile. Der Reflex ist oft derselbe: Prozesse müssen optimiert, Teams agiler und Meetings effizienter werden. Man investiert in Scrum-Master, Kanban-Boards und endlose Workshops zur „Verbesserung der Zusammenarbeit“. Doch was, wenn dieser Ansatz fundamental falsch ist?

Was, wenn der wahre Schlüssel zur Halbierung der Time-to-Market (TTM) nicht darin liegt, bestehende Abläufe schneller zu machen, sondern ganze Phasen des Entwicklungszyklus komplett zu eliminieren? Es geht nicht mehr um inkrementelle Verbesserungen, sondern um eine radikale Neuausrichtung, die auf drei Säulen ruht: technologische Sprünge, die das Physische ersetzen, eine asynchrone Entscheidungskultur, die Meetings obsolet macht, und die strategische Akzeptanz, dass „gut genug“ heute mehr wert ist als „perfekt“ morgen.

Dieser Wandel erfordert Mut und eine Abkehr von traditionellen, sicherheitsorientierten Denkmustern. Es ist ein Paradigmenwechsel weg von der Prozessoptimierung hin zur Phasen-Eliminierung. Es ist die Erkenntnis, dass Geschwindigkeit kein Nebenprodukt guter Organisation ist, sondern das direkte Ergebnis strategischer Entscheidungen, bestimmte Dinge einfach nicht mehr zu tun. Die deutsche Ingenieurskunst der Perfektion wird zur grössten Hürde im globalen Wettbewerb, wenn sie nicht durch eine Kultur der Geschwindigkeit ergänzt wird.

In diesem Artikel durchbrechen wir die konventionellen Ratschläge. Wir zeigen Ihnen, wie Sie durch den gezielten Einsatz von Technologie, die Entschlackung von Entscheidungswegen und eine pragmatische Produktphilosophie nicht nur aufholen, sondern die Spielregeln in Ihrer Branche neu definieren. Wir legen die Hebel offen, mit denen Sie Ihre Entwicklungszyklen drastisch verkürzen und sich den entscheidenden Vorsprung sichern.

Der folgende Leitfaden ist Ihre Blaupause zur radikalen Beschleunigung. Er ist in acht strategische Bereiche unterteilt, die Ihnen konkrete Werkzeuge und Denkweisen an die Hand geben, um Wartezeiten systematisch aus Ihrem Unternehmen zu verbannen und Geschwindigkeit zu Ihrer stärksten Waffe zu machen.

3D-Druck über Nacht: Wie Sie Feedbackschleifen von Wochen auf Stunden reduzieren

Der traditionelle Prototypenbau ist einer der grössten Zeitfresser im Produktentwicklungsprozess. Wochenlanges Warten auf gefräste oder gegossene Teile, teure Werkzeuganpassungen und langwierige Abstimmungsschleifen mit externen Lieferanten lähmen jedes Projekt. Die Phasen-Eliminierung setzt hier mit brachialer Effizienz an: Statt den Prozess zu optimieren, wird er durch additiv gefertigte Prototypen ersetzt. Ein CAD-Modell, das abends fertiggestellt wird, kann am nächsten Morgen als physisches, greifbares Bauteil auf dem Tisch liegen. Dies beschleunigt nicht nur die technische Validierung, sondern revolutioniert auch die Feedback-Kultur.

Teams können Designs iterieren, testen und verwerfen, ohne auf externe Zyklen angewiesen zu sein. Haptik, Ergonomie und Passgenauigkeit werden sofort erlebbar. Wie das Fraunhofer IWS Dresden zeigt, ist diese Technologie längst im industriellen Massstab angekommen und ermöglicht es gerade dem deutschen Mittelstand, komplexe Komponenten wie Brennkammern für Wasserstoffsysteme in Rekordzeit zu entwickeln. Dies schafft, wie Institutsleiter Prof. Christoph Leyens betont, besondere Alleinstellungsmerkmale. Durch solche technologischen Sprünge wird die physische Wartezeit eliminiert und durch einen internen, quasi-sofortigen Produktionszyklus ersetzt.

Hochmoderner 3D-Drucker bei der Arbeit in einem deutschen Forschungslabor

Die Auswirkungen sind dramatisch. Ein bekanntes Beispiel aus der Konsumgüterindustrie zeigt, wie LEGO die Time-to-Market von zwei Jahren auf sechs Monate reduzierte, indem 3D-Druck konsequent in den Design- und Feedbackprozess integriert wurde. Diese Beschleunigung resultiert nicht aus besserem Projektmanagement, sondern aus der technologischen Fähigkeit, die Phase „Warten auf den Prototyp“ aus dem Kalender zu streichen. Für Produktmanager und CEOs bedeutet das: Die Investition in Inhouse-3D-Druck ist keine Kostenfrage, sondern eine strategische Entscheidung für Geschwindigkeit.

Kill the Meeting: Wie Sie Entscheidungsprozesse entschlacken

Das zweitgrösste Hindernis für Geschwindigkeit sind synchrone Meetings. Die Koordination von Terminkalendern, die Vorbereitung von Präsentationen und die oft unstrukturierten Diskussionen sind pure Zeitvernichtung. Die radikale Lösung: Töten Sie das klassische Status- und Entscheidungsmeeting. Ersetzen Sie es durch eine asynchrone Entscheidungs-Infrastruktur. Das Ziel ist nicht, weniger Meetings zu haben, sondern Entscheidungen zu treffen, ohne dass Menschen zur gleichen Zeit im selben (virtuellen) Raum sein müssen.

Die Grundlage dafür ist radikale Transparenz, ermöglicht durch digitale Werkzeuge. Plattformen wie Slack, Microsoft Teams, Notion oder Asana sind nicht nur Kommunikationskanäle, sondern zentrale Knotenpunkte für den Informationsfluss. Jede relevante Information, jeder Fortschritt, jedes Problem wird dort in Echtzeit und für alle Beteiligten sichtbar dokumentiert. Anstatt in einem Meeting zu fragen „Wo stehen wir?“, liest der Entscheider den Status in fünf Minuten im entsprechenden Kanal nach. Fragen werden als Kommentare gestellt und beantwortet, wenn der jeweilige Experte Zeit hat – nicht, wenn der Kalender es diktiert.

Um diese Kultur zu etablieren, müssen Sie crossfunktionale Teams mit Ende-zu-Ende-Verantwortung einrichten. Wenn ein Team für ein Feature vom Konzept bis zum Launch verantwortlich ist, entfallen unzählige Abstimmungsmeetings zwischen Abteilungen. Entscheidungen werden innerhalb des Teams getroffen, dokumentiert und eskaliert, falls nötig. Der CEO oder Produktmanager greift nur noch bei Blockaden oder strategischen Weichenstellungen ein, die klar im System markiert sind. Die Rolle der Führungskraft wandelt sich vom Meeting-Leiter zum Beseitiger von Hindernissen in einem transparenten, asynchronen System.

Warum „gut genug“ schneller verkauft als „perfekt“

Die deutsche Ingenieursmentalität neigt zum „Over-Engineering“ – dem Streben nach der technisch perfekten, zu 110 % ausgereiften Lösung. Diese „Perfektionsfalle“ ist der grösste kulturelle Feind einer kurzen Time-to-Market. Während Ihr Team an der fünften Nachkommastelle der Effizienz feilt, verkauft die Konkurrenz bereits eine „gut genug“-Lösung an 80 % des Marktes. Der strategische Schwenk zum Minimum Viable Product (MVP) ist daher keine Kompromisslösung, sondern ein aggressiver Markteintritts-Hebel.

Ein MVP ist nicht „halbfertig“, sondern die absolut minimale Version eines Produkts, die einem frühen Nutzersegment einen echten, messbaren Mehrwert bietet. Alles andere – Nice-to-have-Features, Design-Polishing, Edge-Case-Optimierungen – wird bewusst weggelassen. Der Zweck des MVP ist nicht der Verkauf, sondern das Lernen. Es beantwortet die wichtigste Frage von allen: „Interessiert sich überhaupt jemand dafür?“ Diese frühe Validierung am Markt ist unbezahlbar und verhindert, dass Monate oder Jahre in ein Produkt investiert werden, das am Ende niemand braucht.

Agiles Entwicklungsteam bei der Arbeit an einem Minimum Viable Product

Fallstudie Unilever: Handdesinfektionsmittel in Rekordzeit

Auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie hat Unilever die Macht des „gut genug“-Prinzips demonstriert. Anstatt einen langwierigen Entwicklungsprozess für ein perfektes Produkt zu starten, fokussierte sich ein agiles Team auf das absolut Notwendige. Das Ergebnis: Innerhalb von nur sechs Wochen wurde ein neues Handdesinfektionsmittel entwickelt und auf den Markt gebracht. Dieser radikale Fokus auf Geschwindigkeit ermöglichte es Unilever, sich in einem explodierenden Marktsegment sofort zu positionieren und wertvolle Marktanteile zu sichern, während andere noch in der Planungsphase steckten.

Die Vorteile sind nicht nur zeitlicher Natur. Studien belegen, dass die Modernisierung der Produktentwicklung durch agile Ansätze eine Reduzierung der Time-to-Market um 30 bis 50 Prozent und eine erhebliche Produktivitätssteigerung ermöglicht. Der Mut, Unvollkommenheit zu akzeptieren, um Geschwindigkeit zu gewinnen, ist eine der profitabelsten Entscheidungen, die eine Führungskraft treffen kann.

Marketing und Produkt im Gleichschritt: Wie verhindern Sie Wartezeiten beim Launch?

Ein klassisches Szenario der Zeitverschwendung: Das Produktteam ist fertig, aber das Marketing braucht noch sechs Wochen für die Launch-Kampagne. Oder umgekehrt: Die Kampagne steht, aber das Produkt verzögert sich. Diese Wartezeiten entstehen durch Silo-Denken und sequentielle Planung. Die Lösung liegt darin, Produktentwicklung und Markteinführung nicht als zwei getrennte Phasen, sondern als einen einzigen, integrierten Prozess zu betrachten. Agilität muss über die Grenzen der IT-Abteilung hinaus auf das gesamte Unternehmen ausgeweitet werden.

In einem agilen Setup arbeitet das Marketing von Tag eins an mit dem Produktteam zusammen. Während die Entwickler am ersten Sprint des MVP arbeiten, entwickelt das Marketing bereits die Kernbotschaften und testet sie an Zielgruppen. Das Feedback aus diesen frühen Marketingtests kann direkt in die weitere Produktentwicklung einfliessen. Der Launch ist kein „Big Bang“-Ereignis am Ende, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der mit der Vermarktung des MVP beginnt und mit jeder Iteration des Produkts weiter ausgebaut wird.

Diese integrierte Vorgehensweise erfordert eine flexible Budgetierung und Planung, die von starren Jahresplänen abrückt und sich an quartalsweisen Zielen und Sprints orientiert. Der folgende Vergleich zeigt die fundamentalen Unterschiede zwischen dem traditionellen und dem agilen Ansatz bei der Markteinführung.

Traditionelle vs. Agile Markteinführung
Aspekt Traditionell Agil
Planungshorizont Jahresplanung Quartalsweise Sprints
Budgetierung Starr, jährlich Flexibel, iterativ
Feedback-Integration Nach Launch Kontinuierlich während Entwicklung
Time-to-Market 12-24 Monate 3-6 Monate
Risiko Hoch (späte Validierung) Niedrig (frühe Tests)

Die Implementierung einer agilen Go-to-Market-Strategie reduziert nicht nur Wartezeiten, sondern minimiert auch das Marktrisiko erheblich, wie die vergleichende Analyse von Projektansätzen zeigt. Indem das Produkt von Anfang an im Gleichschritt mit dem Markt entwickelt wird, stellen Sie sicher, dass Sie etwas bauen, das nicht nur technisch funktioniert, sondern auch vom Markt gewollt und verstanden wird.

Buy vs. Make: Wann ist Zukauf von Technologie der schnellere Weg zum Markt?

Manchmal ist der schnellste Weg, ein Rennen zu gewinnen, nicht, schneller zu laufen, sondern sich in ein schnelleres Fahrzeug zu setzen. Übertragen auf die Produktentwicklung bedeutet dies: Die strategische Entscheidung, eine Technologie oder Komponente zuzukaufen („Buy“) anstatt sie selbst zu entwickeln („Make“), kann der grösste einzelne Hebel zur Halbierung der Time-to-Market sein. Dies erfordert die ehrliche Analyse der eigenen Kernkompetenzen. Ist der Bau einer eigenen Authentifizierungslösung, eines Bezahlsystems oder einer Datenanalyse-Engine wirklich Ihr Kerngeschäft? Oder verbrennen Sie hier wertvolle Monate, die die Konkurrenz zur Eroberung des Marktes nutzt?

Die Technologie-Akquisition ist keine Kapitulation, sondern eine strategische Beschleunigung. Anstatt ein Team von Grund auf neu aufzubauen, um eine komplexe Technologie zu meistern, kaufen Sie fertige Lösungen, APIs oder sogar ganze Unternehmen ein, die dieses Problem bereits gelöst haben. Dies setzt interne Ressourcen frei, die sich auf das konzentrieren können, was Ihr Produkt einzigartig macht: die User Experience, den spezifischen Algorithmus oder das einzigartige Geschäftsmodell.

Ein extremes Beispiel für diesen Geschwindigkeitsgewinn ist das vom Fraunhofer IWU entwickelte SEAM-Verfahren, ein Verfahren, das 8-mal schneller als konventioneller 3D-Druck arbeitet. Anstatt zu versuchen, einen solchen Prozess selbst nachzubauen, wäre die Lizenzierung oder der Zukauf einer solchen Technologie der weitaus klügere und schnellere Weg. Die „Buy“-Entscheidung ist also keine reine Kosten-Nutzen-Rechnung, sondern eine Zeit-gegen-Marktanteil-Abwägung. Wie viele Monate Entwicklungszeit sind Sie bereit, für einen sofortigen Marktzugang zu opfern?

Wie Sie mit Low-Code-Plattformen eigene Apps bauen, ohne Informatik studiert zu haben

Die „Buy vs. Make“-Entscheidung wird durch eine dritte, immer mächtigere Option ergänzt: Low-Code- und No-Code-Plattformen. Diese Werkzeuge sind der ultimative Beschleuniger, da sie die Grenze zwischen „Buy“ (der Plattform) und „Make“ (der spezifischen Anwendung) verschwimmen lassen. Sie ermöglichen es Fachexperten und Produktmanagern – also den Menschen, die die Geschäftsanforderungen am besten verstehen – selbst funktionale Applikationen und Prototypen zu erstellen, ohne eine einzige Zeile Code schreiben zu müssen.

Mendix ist ein Wegbereiter zur Beschleunigung der Digitalisierung und unterstützt unsere strategischen Ziele. Wir können Anwendungen erstellen, die Daten effizienter abrufen und visualisieren.

– Anwender bei PVH Europe, Mendix Fallstudie

Stellen Sie sich vor, Ihr Vertriebsteam benötigt eine App zur Lead-Erfassung auf Messen. Anstatt dies in den überfüllten IT-Backlog zu geben und sechs Monate zu warten, baut ein technikaffiner Mitarbeiter aus dem Vertrieb die App in zwei Tagen selbst auf einer Plattform wie Microsoft Power Apps. Diese Demokratisierung der Softwareentwicklung ist ein gewaltiger Hebel. Sie entlastet nicht nur die IT-Abteilung, die sich auf komplexe Kernsysteme konzentrieren kann, sondern setzt auch eine enorme Innovationskraft in den Fachabteilungen frei.

Für den deutschen Markt, der grossen Wert auf Datensicherheit und Integration in bestehende Systemlandschaften (insbesondere SAP) legt, gibt es spezialisierte Lösungen. Die strategische Partnerschaft zwischen SAP und Mendix, der einzigen von SAP unterstützten Enterprise Low-Code-Plattform, ist ein klares Signal. Sie ermöglicht es Unternehmen, DSGVO-konforme Anwendungen zu erstellen, die nahtlos mit ihrer bestehenden SAP-Infrastruktur interagieren. Der folgende Überblick vergleicht einige führende Plattformen für den deutschen Markt.

Vergleich führender Low-Code-Plattformen für Deutschland
Plattform Stärken Schwächen Bereitstellung
Mendix (Siemens) SAP-Integration, DSGVO-konform, Multiexperience Höhere Einstiegshürde Cloud, Hybrid, On-Premise
SAP Build Nahtlose SAP-Integration, Fiori-Design Mehrere Entwicklungsumgebungen, Zusatzkosten Primär Cloud
Microsoft Power Apps Office 365 Integration Intransparente Lizenzierung, nur Cloud Cloud only
OutSystems Enterprise-Features Komplex, teuer Cloud, On-Premise

Wie Sie durch digitale Zwillinge physische Prototypenphasen komplett überspringen

Wenn 3D-Druck die Erstellung physischer Prototypen von Wochen auf Stunden reduziert, dann ist der digitale Zwilling der nächste logische Schritt: die vollständige Eliminierung vieler physischer Prototypenphasen. Ein digitaler Zwilling ist weit mehr als nur ein 3D-Modell. Es ist eine exakte, datengestützte virtuelle Repräsentation eines physischen Produkts, Prozesses oder Systems, die sich in Echtzeit mit ihrem realen Gegenstück synchronisiert. Dies ermöglicht es, Tests, Simulationen und Optimierungen komplett im virtuellen Raum durchzuführen, bevor auch nur eine einzige Schraube produziert wird.

Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln eine neue Produktionsanlage. Anstatt sie physisch aufzubauen und dann monatelang zu optimieren, simulieren Sie den gesamten Betrieb am digitalen Zwilling. Sie können Engpässe identifizieren, Materialflüsse optimieren und sogar die Wartungszyklen vorhersagen, alles in einer virtuellen Umgebung. Dies spart nicht nur immense Kosten, sondern verkürzt die Inbetriebnahmezeit von Monaten auf Wochen. Deutschland ist hier mit dem Standard der Asset Administration Shell (AAS) international führend. Initiativen wie Manufacturing-X treiben die Entwicklung eines interoperablen Ökosystems voran, koordiniert durch die Industrial Digital Twin Association (IDTA).

Die Implementierung von digitalen Zwillingen ist ein strategisches Projekt, das jedoch in überschaubaren Schritten erfolgen kann. Es beginnt mit der genauen Analyse der eigenen Digitalisierungsstrategie und der Auswahl der richtigen Software-Tools.

Ihr Aktionsplan zur Implementierung von Digitalen Zwillingen

  1. Fundierte Entscheidung treffen: Analysieren Sie, ob und wo ein digitaler Zwilling (z.B. auf Basis von AAS) den grössten Hebel in Ihrer Wertschöpfungskette darstellt.
  2. Methodik erlernen: Schulen Sie ein Kernteam in der Methodik, wie ein Asset und seine Eigenschaften durch Teilmodelle virtuell abgebildet werden.
  3. Software-Tools evaluieren: Verschaffen Sie sich einen Marktüberblick über relevante Entwicklungs- und Simulationswerkzeuge, die den AAS-Standard unterstützen.
  4. Teilmodelle verstehen: Identifizieren Sie die für Ihren Anwendungsfall relevanten, bereits standardisierten Teilmodelle, um Interoperabilität zu gewährleisten.
  5. Schrittweise implementieren: Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt, um Erfahrungen zu sammeln und den Nutzen nachzuweisen, bevor Sie die Lösung unternehmensweit ausrollen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eliminieren statt optimieren: Der grösste Hebel zur Beschleunigung ist nicht die Verbesserung, sondern die vollständige Streichung von Wartephasen (z.B. Prototypenbau, Meetings).
  • Technologie als Beschleuniger: Investieren Sie in Technologien wie 3D-Druck, Low-Code-Plattformen und digitale Zwillinge, um physische und manuelle Prozesse zu ersetzen.
  • Kultur der Geschwindigkeit: Brechen Sie die „Perfektionsfalle“ auf und etablieren Sie eine MVP-Kultur. Geschwindigkeit schlägt Perfektion, wenn es um die Validierung am Markt geht.

Wie passen Sie Ihre Jahresstrategie vierteljährlich an, ohne die Belegschaft zu verunsichern?

Eine drastisch verkürzte Time-to-Market hat eine unausweichliche Konsequenz: Der traditionelle Jahresstrategie-Zyklus wird obsolet. Wenn Sie in der Lage sind, Produkte und Features in wenigen Wochen statt Monaten auf den Markt zu bringen, können Sie nicht an einer 12 Monate alten Roadmap festhalten. Die Strategie selbst muss so agil werden wie Ihre Entwicklungsprozesse. Dies führt jedoch oft zu Verunsicherung in der Belegschaft, die Stabilität und eine klare Vision erwartet. Wie löst man diesen Widerspruch auf?

Die Lösung liegt in der Trennung von Vision und Taktik. Die langfristige Vision des Unternehmens („Wo wollen wir in 5 Jahren sein?“) bleibt stabil und dient als Nordstern. Die taktische Umsetzung dieser Vision wird jedoch in quartalsweisen Zyklen geplant und angepasst. Frameworks wie Objectives and Key Results (OKRs), angepasst an die deutsche Unternehmenskultur, bieten hierfür einen exzellenten Rahmen. Jedes Quartal werden die Ziele neu gesetzt oder justiert, basierend auf dem, was im letzten Quartal am Markt gelernt wurde.

Um Verunsicherung zu vermeiden, ist ein fester Kommunikationsrhythmus entscheidend. Regelmässige, quartalsweise „Strategy Townhalls“ oder klare, schriftliche Updates erklären transparent, *warum* Anpassungen vorgenommen werden. Wenn Mitarbeiter verstehen, dass eine Kurskorrektur keine willkürliche Entscheidung ist, sondern eine logische Reaktion auf neue Marktdaten, verwandelt sich Unsicherheit in ein Gefühl der Stärke und Anpassungsfähigkeit. Dies wird durch eine agile Budgetierung unterstützt, bei der flexible, quartalsweise Töpfe starre Jahresbudgets ersetzen und so schnelle strategische Manöver ermöglichen. Die Modernisierung interner Abläufe kann, wie Studien von McKinsey zeigen, eine bis zu 26-prozentige Produktivitätssteigerung bewirken, wenn Strategie und Ausführung Hand in Hand gehen.

Die agile Strategieanpassung ist die Königsdisziplin. Um Ihr Unternehmen darauf vorzubereiten, ist es unerlässlich, die Mechanismen der agilen Führung und Kommunikation zu beherrschen.

Die Halbierung Ihrer Time-to-Market ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess der radikalen Selbstreflexion und der mutigen Eliminierung von allem, was Sie bremst. Beginnen Sie noch heute damit, den ersten Zeitfresser in Ihrem Prozess zu identifizieren und ihn nicht zu optimieren, sondern ihn vollständig aus Ihrem System zu entfernen.

Häufig gestellte Fragen zur Verkürzung der Time-to-Market

Wie misst man Time-to-Market effektiv?

Die TTM wird typischerweise vom Zeitpunkt der offiziellen Projektgenehmigung oder der Fertigstellung des ersten Business Case bis zur erfolgreichen, umsatzgenerierenden Markteinführung gemessen. Entscheidend ist, dass Start- und Endpunkt im Unternehmen einheitlich definiert und für alle Projekte gleich angewendet werden, um eine vergleichbare Metrik zu erhalten.

Welche Ansätze reduzieren die TTM am effektivsten?

Neben den im Artikel genannten Methoden sind drei Ansätze besonders wirksam: Die Theory of Constraints (TOC) konzentriert sich auf die Identifizierung und Optimierung der einen Engpassressource, die das gesamte System bremst. Das Quality Function Deployment (QFD) hilft dabei, von Anfang an nur die Leistungsmerkmale zu entwickeln, die für den Kunden wirklich wichtig sind. Der Lean Startup-Ansatz nutzt extrem schnelle Build-Measure-Learn-Zyklen, um Produkte in enger Abstimmung mit dem Markt zu iterieren.

Geschrieben von Robert Lang, Diplom-Ingenieur für Produktionstechnik und Berater für Industrie 4.0. 20 Jahre Erfahrung in F&E, Fertigungsoptimierung und Innovationsmanagement im produzierenden Gewerbe.