
Der demografische Wandel ist kein fernes Risiko mehr, sondern eine akute operative Gefahr: Das Wissen Ihres Unternehmens läuft zur Tür hinaus.
- Die Rettung liegt nicht in verstaubten Handbüchern, sondern in aktiven, strukturierten Übergabeprozessen.
- Kulturelle Barrieren wie „Wissen ist Macht“ sind oft ein grösseres Hindernis als fehlende Technologie.
Empfehlung: Verwandeln Sie die Wissenssicherung von einem reaktiven Panikprojekt in eine proaktive, strategische Kernaufgabe, die die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens sichert.
Die Situation in deutschen Unternehmen ist unmissverständlich und dringend. Es ist keine theoretische Übung, sondern eine tickende Zeitbombe: Ein erheblicher Teil Ihrer erfahrensten Mitarbeiter, die Träger des kritischen Unternehmenswissens, steht kurz vor dem Ruhestand. Die üblichen Reaktionen – schnell ein paar Übergabegespräche ansetzen oder Mitarbeiter bitten, „mal alles aufzuschreiben“ – sind bestenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein. Diese Ansätze scheitern, weil sie das Wesen von Erfahrungswissen ignorieren: Es ist kein statischer Datensatz, sondern ein dynamisches Geflecht aus Prozessen, Intuition und über Jahre gewachsenen Lösungsstrategien.
Die weitverbreitete Annahme, Mentoring-Programme oder eine neue Software könnten das Problem im Alleingang lösen, ist ein gefährlicher Trugschluss. Sie kratzen nur an der Oberfläche, während die wahren Herausforderungen tiefer liegen: in der Unternehmenskultur, in festgefahrenen Abteilungssilos und in der Psychologie der Experten selbst, für die Wissen oft mit Macht und persönlicher Identität verknüpft ist. Die wahre Aufgabe besteht darin, das Wissen nicht nur zu konservieren, sondern es zu verflüssigen – es aus den Köpfen einzelner „Kopfmonopolisten“ zu lösen und in die DNA des gesamten Unternehmens zu überführen.
Doch was, wenn der Schlüssel nicht in der passiven Dokumentation, sondern in einem aktiven, strukturierten Transformationsprozess liegt? Dieser Artikel ist kein weiterer Appell, sondern ein strategischer Fahrplan. Er zeigt Ihnen, wie Sie die Wissenssicherung von einer gefürchteten Pflicht zu einem Wettbewerbsvorteil machen. Wir werden systematisch die kritischen Wissensträger identifizieren, strukturierte Übergabeformate gestalten, die wirksamer sind als jedes Handbuch, und kulturelle Barrieren durchbrechen, die den Wissensfluss blockieren. Es ist an der Zeit, die operative Trägheit zu überwinden und Ihr wertvollstes Kapital für die Zukunft zu sichern.
Dieser Leitfaden ist Ihr strukturierter Wegweiser durch diesen komplexen Prozess. Das Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen klaren Überblick über die strategischen Etappen, die vor Ihnen liegen, um den Wissensverlust nicht nur zu stoppen, sondern Ihr Unternehmen resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen.
Inhaltsverzeichnis: Der Fahrplan zur Sicherung Ihres Erfahrungswissens
- Wer weiss was? Wie identifizieren Sie geschäftskritisches Wissen bei „Kopfmonopolisten“?
- Alt und Jung im Duo: Wie strukturieren Sie die Einarbeitung über 6 Monate?
- Warum kurze Erklärvideos besser sind als 100 Seiten Handbuch, die niemand liest
- Warum „Wissen ist Macht“ verhindert, dass Experten ihr Know-how teilen
- Wie kann KI aus alten E-Mails und Protokollen implizites Wissen extrahieren?
- Das CRM-Problem: Warum der Vertrieb Informationen hortet und wie Marketing drankommt
- Wie sichern Sie das Wissen von Babyboomern, bevor sie in Rente gehen?
- Warum scheitern Digitalprojekte oft an der fehlenden Datenkompetenz der Sachbearbeiter?
Wer weiss was? Wie identifizieren Sie geschäftskritisches Wissen bei „Kopfmonopolisten“?
Der erste und wichtigste Schritt zur Wissenssicherung ist die schonungslose Diagnose. In jedem Unternehmen gibt es sogenannte „Kopfmonopolisten“: Mitarbeiter, in deren Köpfen einzigartiges, geschäftskritisches Wissen gebündelt ist. Fällt diese Person aus, steht oft ein ganzer Prozess still. Dieses Wissen ist selten in offiziellen Dokumenten zu finden; es besteht aus Erfahrung, Intuition und über Jahre optimierten inoffiziellen Wegen. Die Identifikation dieser Schlüsselpersonen und ihres Wissens ist keine Aufgabe für die Kaffeeküche, sondern erfordert eine systematische Analyse.
Ein typisches Beispiel aus dem deutschen Mittelstand ist die Fallstudie des Kontaktlinsenspezialisten Müller-Welt aus Stuttgart. Das Unternehmen erkannte, dass sein umfassendes Know-how ein Alleinstellungsmerkmal war, das selbst von der Hausbank nicht als strategischer Wert verstanden wurde. Erst die systematische Erfassung und Strukturierung dieses Wissens machte es zu einem greifbaren und sicherbaren Unternehmenswert. Dies zeigt, dass die Identifikation weit über eine einfache Liste von „Experten“ hinausgeht. Es geht darum, das immaterielle Kapital sichtbar und damit managebar zu machen.
Um diese unsichtbaren Wissensschätze zu heben, benötigen Sie eine klare Methodik, die über blosse Befragungen hinausgeht. Eine Kombination aus organisatorischer Analyse und gezielter Kommunikation ist entscheidend, um ein vollständiges Bild der Wissenslandschaft in Ihrem Unternehmen zu erhalten.
Ihr Plan zur Identifikation kritischer Wissensträger
- Systematische Befragung: Führen Sie strukturierte Interviews mit Führungskräften und langjährigen Mitarbeitern, um Schlüsselpersonen und deren spezifische Fachgebiete zu identifizieren. Fragen Sie nicht nur „Wer weiss was?“, sondern „Ohne wen würde Prozess X stillstehen?“.
- Altersstruktur-Analyse: Erstellen Sie eine detaillierte Übersicht der Altersstruktur Ihrer Belegschaft und eine Timeline der bevorstehenden Renteneintritte. So visualisieren Sie den zeitlichen Druck und können Prioritäten setzen.
- Netzwerkanalyse: Nutzen Sie DSGVO-konforme Tools, um informelle Kommunikationsflüsse zu visualisieren. Wer wird abteilungsübergreifend am häufigsten um Rat gefragt? Diese „Knotenpunkte“ sind oft die wahren Wissensträger.
- Wissensbilanz erstellen: Bewerten Sie Ihr immaterielles Vermögen nach der in Deutschland etablierten Methodik der Wissensbilanz. Dies hilft, den strategischen Wert von Wissen zu quantifizieren und gegenüber der Geschäftsführung zu argumentieren.
- Wertschätzungs-Interviews: Führen Sie mit den identifizierten Experten „Expert Debriefing“-Interviews durch. Positionieren Sie diese nicht als Verhör, sondern als Akt der Wertschätzung zur Sicherung ihres Lebenswerks.
Alt und Jung im Duo: Wie strukturieren Sie die Einarbeitung über 6 Monate?
Sobald die kritischen Wissensträger identifiziert sind, beginnt die eigentliche Übergabe. Die Vorstellung, dass komplexes Erfahrungswissen in wenigen Wochen „übergeben“ werden kann, ist eine Illusion. Ein strukturierter, langfristiger Prozess ist unerlässlich. Hier hat sich das Tandem-Modell als eine der effektivsten Methoden erwiesen. Dabei arbeiten ein erfahrener Mitarbeiter (der Wissensträger) und ein Nachfolger über einen längeren Zeitraum, idealerweise mindestens sechs Monate, eng zusammen an realen Aufgaben.
Der Erfolg eines solchen Tandems hängt entscheidend von der Struktur ab. Es ist kein informelles „über die Schulter schauen“, sondern ein didaktisch geplanter Prozess. Bei Volkswagen beispielsweise wurde mit dem TANDEM-Pilotprojekt ein strukturierter Workshopprozess etabliert, in dem Experten und Novizen gemeinsam Schulungsmaterialien zu komplexen Arbeitsprozessen erstellen. Dieser kollaborative Ansatz sorgt dafür, dass das Wissen nicht nur transferiert, sondern auch explizit gemacht und für andere nutzbar wird.
Ein entscheidender Aspekt moderner Tandem-Modelle ist zudem das Reverse Mentoring. Während der Senior-Experte sein Fach- und Prozesswissen weitergibt, schult der jüngere Kollege im Gegenzug im Umgang mit neuen digitalen Werkzeugen oder agilen Methoden. Dieser beidseitige Wissensfluss schafft eine Partnerschaft auf Augenhöhe und erhöht die Akzeptanz auf beiden Seiten.

Wie diese Abbildung symbolisiert, wird die Wissensübergabe so zu einem dynamischen Dialog zwischen den Generationen. Der ältere Mitarbeiter sichert sein Vermächtnis, während der jüngere Mitarbeiter nicht nur Fachwissen, sondern auch den Kontext und die „ungeschriebenen Regeln“ erlernt, die für den Erfolg entscheidend sind. Dieser strukturierte Austausch ist die effektivste Versicherung gegen den Verlust von Prozessintelligenz.
Warum kurze Erklärvideos besser sind als 100 Seiten Handbuch, die niemand liest
Die traditionelle Antwort auf Wissenssicherung lautet oft: Dokumentation. Das Ergebnis sind nicht selten hunderte Seiten starke Handbücher, die in einem digitalen Ordner verstauben und im Ernstfall von niemandem gelesen werden. Dieser Ansatz ignoriert fundamental, wie Menschen, insbesondere in operativen Rollen, lernen. Erfahrungswissen, vor allem bei praktischen Tätigkeiten, lässt sich nur schwer in Worte fassen, aber sehr leicht zeigen. Hier kommen kurze Erklärvideos ins Spiel.
Ein 3-minütiges Video, das mit einem Smartphone direkt an der Maschine oder am Arbeitsplatz aufgenommen wird, kann oft mehr Wissen vermitteln als ein 50-seitiges PDF. Der Grund liegt in der menschlichen Kognition: Visuelle Informationen werden schneller verarbeitet und besser im Gedächtnis behalten. Unternehmen können heute mit einfachsten Mitteln eine interne „Unternehmens-YouTube“-Plattform aufbauen, beispielsweise mit Microsoft Stream, das in vielen Microsoft-365-Lizenzen bereits enthalten ist. Durch eine intelligente Verschlagwortung werden diese Wissensnuggets jederzeit und mobil auffindbar.
Die folgende Tabelle verdeutlicht, warum der Umstieg von statischen Handbüchern auf dynamische Videoinhalte nicht nur eine Frage der Vorliebe, sondern der Effizienz ist. Wie eine vergleichende Analyse zeigt, ist die Überlegenheit in fast allen Aspekten erdrückend.
| Kriterium | Erklärvideos | Schriftliche Handbücher |
|---|---|---|
| Aufnahmegeschwindigkeit | 3x schneller durch visuelle Demonstration | Langsamer, erfordert Interpretation |
| Speicherung im Gedächtnis | 65% Retention nach 3 Tagen | 10% Retention nach 3 Tagen |
| Erstellungsaufwand | Smartphone + 30 Min pro Video | Mehrere Stunden für Dokumentation |
| Aktualisierung | Neues Video in Minuten | Aufwändige Überarbeitung |
| Zugänglichkeit | Jederzeit mobil abrufbar | Oft nur am Arbeitsplatz verfügbar |
Die Erstellung einer agilen Videodatenbank ist ein Paradebeispiel für die „Wissensverflüssigung“. Anstatt Wissen in einem starren Dokument einzufrieren, wird es in kleine, leicht konsumierbare und jederzeit verfügbare Einheiten zerlegt. Dies demokratisiert den Zugang zu Know-how und ermöglicht es neuen Mitarbeitern, sich selbstständig und bedarfsgerecht („on demand“) einzuarbeiten.
Warum „Wissen ist Macht“ verhindert, dass Experten ihr Know-how teilen
Die besten Prozesse und die modernsten Technologien sind nutzlos, wenn die Menschen nicht mitmachen. Die grösste Hürde für den Wissenstransfer ist oft nicht technischer, sondern kultureller und psychologischer Natur. Das alte Sprichwort „Wissen ist Macht“ ist in vielen Unternehmenskulturen tief verankert. Für einen Experten, der seine Karriere darauf aufgebaut hat, die eine Person zu sein, die die Antwort auf ein bestimmtes Problem kennt, kann die Aufforderung, dieses Wissen preiszugeben, wie eine Bedrohung wirken. Es ist die Angst, ersetzbar zu werden und den eigenen Status zu verlieren.
Die Wissensmanagement-Expertin Kristin Block bringt es auf den Punkt:
Wissen, dass sich ein Mitarbeiter über Jahrzehnte angeeignet und weiterentwickelt hat kann nicht an einem Nachmittag übergeben werden.
– Kristin Block, Wissensmanagement-Expertin
Diese Aussage unterstreicht, dass der Prozess Zeit, aber vor allem Vertrauen und Wertschätzung erfordert. Um diese kulturelle Barriere zu durchbrechen, müssen Sie die Perspektive ändern. Es geht nicht darum, den Experten ihr Wissen „wegzunehmen“, sondern darum, sie zu befähigen, ihr Lebenswerk für die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Strategien wie die offizielle Ernennung zu „Senior Mentoren“ oder „Fachlichen Paten“ verleihen dieser Aufgabe einen ehrenvollen Status. Die Integration der Wissensteilung in Zielvereinbarungen und Bonussysteme schafft zudem monetäre Anreize und signalisiert die strategische Bedeutung des Themas.

Die Weitergabe von implizitem, handwerklichem Wissen, wie es in diesem Bild symbolisiert wird, ist ein zutiefst persönlicher Akt. Er gelingt nur in einer Atmosphäre des Respekts und der Anerkennung. Die Positionierung der Wissensweitergabe als ehrenvolle letzte Aufgabe vor dem Ruhestand kann eine starke intrinsische Motivation freisetzen. Der Experte wird vom Wissenswächter zum Wissensvermittler – eine fundamentale, aber entscheidende Veränderung der Rolle.
Wie kann KI aus alten E-Mails und Protokollen implizites Wissen extrahieren?
Ein grosser Teil des Unternehmenswissens schlummert nicht in offiziellen Dokumenten, sondern in der täglichen Kommunikation: in E-Mails, Chat-Verläufen, Besprechungsprotokollen und Projekt-Dokumentationen. Diese riesigen, unstrukturierten Datenmengen manuell zu durchsuchen, ist unmöglich. Hier bieten moderne KI-Lösungen einen vielversprechenden Ansatz, um dieses verborgene, implizite Wissen zu heben und nutzbar zu machen.
Allerdings ist Vorsicht geboten. Der Hype um generative Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT führt oft zu der falschen Annahme, man könne einfach eine KI über alle Unternehmensdaten laufen lassen. Solche Modelle neigen jedoch zu „Halluzinationen“, also dem Erfinden von Fakten. Für den geschäftskritischen Einsatz sind sie daher oft ungeeignet. Stattdessen etablieren sich sogenannte Insight Engines. Diese spezialisierten KI-Systeme, wie die von Mindbreeze, sind darauf ausgelegt, ausschliesslich auf Basis validierter, vertrauenswürdiger Unternehmensinformationen zu arbeiten und dabei die bestehenden Zugriffsrechte strikt zu prüfen und durchzusetzen. Sie erfinden keine Antworten, sondern finden die richtigen Informationen und deren Quellen im Datenbestand.
Die Anbindung solcher Systeme erfolgt über Konnektoren, sodass die Daten an ihrem ursprünglichen Speicherort verbleiben können, was die Implementierung und die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien erheblich vereinfacht. Gerade für den deutschen Markt ist dieser Aspekt essenziell. Es gibt bereits Lösungen, die speziell auf die hiesigen Anforderungen zugeschnitten sind; so arbeitet beispielsweise die Comma Soft’s Alan KI als DSGVO-konforme KI-Lösung in einer deutschen Telekom-Cloud. Solche Ansätze garantieren, dass sensible Unternehmensdaten das Land nicht verlassen und die strengen europäischen Datenschutzgesetze eingehalten werden.
Durch den Einsatz solcher Technologien wird es möglich, Fragen zu stellen wie: „Welche technischen Probleme gab es beim Projekt XY vor drei Jahren und wie wurden sie gelöst?“ Die KI durchsucht dann Tausende von Dokumenten und E-Mails und liefert eine präzise, quellenbasierte Antwort. So wird das in der Vergangenheit generierte Wissen zu einer lebendigen Ressource für die Gegenwart und Zukunft.
Das CRM-Problem: Warum der Vertrieb Informationen hortet und wie Marketing drankommt
Ein klassisches Beispiel für operative Wissenssilos ist die Schnittstelle zwischen Vertrieb und Marketing. Der Vertrieb besitzt das wertvollste Wissen über Kunden: deren Bedürfnisse, Einwände, Entscheidungsprozesse und persönliche Beziehungen. Dieses Wissen befindet sich jedoch oft nur in den Köpfen der Vertriebsmitarbeiter oder in unvollständig gepflegten CRM-Systemen. Das Marketing arbeitet währenddessen „blind“ und entwickelt Kampagnen, die an der Realität der Kunden vorbeigehen. Dieses Informationshorten ist selten böswillig, sondern oft das Ergebnis von fehlenden Prozessen und falschen Anreizsystemen.
Das Hauptproblem liegt darin, dass beide Abteilungen oft nach unterschiedlichen Kennzahlen (KPIs) bewertet werden. Der Vertrieb an Verkaufszahlen, das Marketing an der Anzahl der generierten Leads. Dies führt zu einem Mangel an Kooperation und zu den bekannten Schuldzuweisungen („Die Leads vom Marketing sind schlecht!“ – „Der Vertrieb verfolgt die Leads nicht!“). Der Schlüssel zur Überwindung dieses Silos liegt in der Etablierung gemeinsamer, übergreifender KPIs, wie zum Beispiel der „Lead-to-Customer-Rate“ oder dem „Customer Lifetime Value“.
Sobald beide Abteilungen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, entsteht ein natürlicher Anreiz zur Zusammenarbeit und zum Teilen von Informationen. Eine Analyse der CRM-Nutzung zeigt dramatische Verbesserungen, wenn gemeinsame Ziele eingeführt werden. Die Transparenz und Datenqualität steigen sprunghaft an.
| Aspekt | Ohne gemeinsame KPIs | Mit gemeinsamen KPIs |
|---|---|---|
| Datenteilung | 20% der Informationen geteilt | 75% der Informationen geteilt |
| Lead-Qualität | Marketing arbeitet blind | Marketing kennt Kundenhistorie |
| Conversion Rate | 5-8% | 12-15% |
| Abteilungskonflikt | Häufige Schuldzuweisungen | Gemeinsame Zielerreichung |
Um diesen Prozess zu unterstützen, sind technische Hilfsmittel wie eine Automatisierung der Dateneingabe im CRM (z.B. durch E-Mail-Plugins oder Telefonie-Integration) und klar definierte, rollenbasierte Zugriffsrechte entscheidend. Das Marketing benötigt keinen Vollzugriff, aber einen Lesezugriff auf relevante Felder, um die Kundenhistorie und aktuelle Bedürfnisse zu verstehen. Oft kann der Datenschutzbeauftragte hier als neutraler Schlichter fungieren, um eine für alle Seiten sichere und nützliche Lösung zu schaffen.
Wie sichern Sie das Wissen von Babyboomern, bevor sie in Rente gehen?
Die Dringlichkeit des Themas lässt sich in einer einzigen, alarmierenden Zahl zusammenfassen. Laut Statistischem Bundesamt werden in Deutschland 13,4 Millionen Erwerbspersonen bis 2039 das Rentenalter erreichen – das sind fast 31% aller heutigen Erwerbspersonen. Diese demografische Welle rollt unaufhaltsam auf die deutsche Wirtschaft zu und trifft Unternehmen, die unvorbereitet sind, mit voller Wucht. Die Generation der Babyboomer verkörpert Jahrzehnte an Prozess- und Erfahrungswissen. Ihre Sicherung ist keine Option, sondern eine Überlebensfrage.
Angesichts dieser massiven Herausforderung haben führende deutsche Unternehmen begonnen, innovative Ansätze zu etablieren, die über traditionelle Methoden hinausgehen. Ein besonders erfolgreiches Konzept ist das Reverse Mentoring. Hier wird die klassische Mentoren-Beziehung umgedreht: Junge, digital-affine Mitarbeiter coachen erfahrene Führungskräfte und Experten im Umgang mit neuen Technologien, sozialen Medien oder agilen Arbeitsweisen. Im Gegenzug erhalten die jungen Mitarbeiter Einblicke in strategische Entscheidungsprozesse und informelle Netzwerke.
Prominente Beispiele zeigen die Wirksamkeit dieses Ansatzes. So hat BMW bereits früh Bekanntheit mit seinem Reverse-Mentoring-Programm erlangt. Aber auch andere DAX-Konzerne wie Bosch, Henkel, die Telekom oder IBM setzen erfolgreich auf diesen generationsübergreifenden Austausch. Diese Programme dienen nicht nur dem reinen Wissenstransfer. Sie fördern das gegenseitige Verständnis, bauen Vorurteile ab und transformieren die Unternehmenskultur hin zu einer lernenden Organisation, in der Wissen in beide Richtungen fliesst.
Der entscheidende Vorteil: Reverse Mentoring ist keine Einbahnstrasse. Es schafft eine Win-Win-Situation und eine Kultur des kontinuierlichen Lernens. Die erfahrenen Babyboomer fühlen sich wertgeschätzt und bleiben am Puls der Zeit, während die jungen Talente frühzeitig an das Unternehmen gebunden werden und ein tiefes Verständnis für die Unternehmens-DNA entwickeln. Dies ist eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit, die weit über die reine Vermeidung von Wissensverlust hinausgeht.
Das Wichtigste in Kürze
- Identifizieren Sie Risiken: Führen Sie eine systematische Analyse durch, um kritische Wissensträger und „Kopfmonopole“ zu identifizieren, bevor es zu spät ist.
- Strukturieren Sie die Übergabe: Ersetzen Sie informelle Übergaben durch langfristige, strukturierte Tandem-Modelle, die einen echten Wissensaustausch ermöglichen.
- Überwinden Sie Barrieren: Brechen Sie die „Wissen ist Macht“-Kultur durch gezielte Anreize, Wertschätzung und die Positionierung der Wissensweitergabe als ehrenvolle Aufgabe.
Warum scheitern Digitalprojekte oft an der fehlenden Datenkompetenz der Sachbearbeiter?
Der demografische Wandel und die digitale Transformation sind zwei Seiten derselben Medaille. Viele Unternehmen investieren massiv in neue Software, KI-Projekte oder digitale Plattformen, doch die erhofften Effizienzgewinne bleiben aus. Der Grund ist oft nicht die Technologie selbst, sondern die fehlende Daten- und Digitalkompetenz der Mitarbeiter, die sie täglich nutzen sollen. Gerade erfahrene Sachbearbeiter, deren Prozesswissen Gold wert ist, fühlen sich von neuen Systemen oft überfordert oder erkennen deren Nutzen nicht. Sie umgehen die neuen Tools und greifen auf ihre alten, vertrauten Excel-Listen zurück – und das Digitalprojekt scheitert.
Dabei ist das Engagement älterer Arbeitnehmer so hoch wie nie. Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen zeigt eine klare Tendenz: 75 % der 55- bis 64-Jährigen waren 2024 erwerbstätig, ein deutlicher Anstieg. Diese Mitarbeiter wollen und können einen Beitrag leisten, benötigen aber gezielte Unterstützung, um den Anschluss nicht zu verlieren. Allgemeine IT-Schulungen sind hier oft wirkungslos, da sie zu weit vom Arbeitsalltag entfernt sind.
Ein im deutschen Mittelstand bewährter Ansatz ist das „Digital-Lotsen-Konzept“, wie es vom Netzwerk Mittelstand-Digital gefördert wird. Statt externer Trainer werden hierbei engagierte Key-User aus den eigenen Abteilungen zu internen Multiplikatoren ausgebildet, oft unterstützt durch IHK-Zertifikatskurse. Diese Digital-Lotsen sprechen die Sprache ihrer Kollegen, verstehen deren spezifische Prozesse und können Unterstützung direkt im jeweiligen Fachsystem (wie SAP oder DATEV) und mit echten Daten leisten. Sie fungieren als erste Ansprechpartner bei Problemen und als Übersetzer zwischen der IT-Abteilung und den Fachbereichen.
Letztendlich ist der Aufbau von Datenkompetenz die nachhaltigste Form der Wissenssicherung. Wenn Mitarbeiter nicht nur wissen, *wie* ein Prozess funktioniert, sondern auch verstehen, *warum* die Daten im neuen System auf eine bestimmte Weise erfasst werden müssen, wird Wissen nicht nur transferiert, sondern weiterentwickelt. Dies schliesst die Lücke zwischen dem Erfahrungswissen der ausscheidenden Generation und den Anforderungen der digitalen Zukunft.
Die Sicherung von Erfahrungswissen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher, strategischer Prozess, der Kultur, Prozesse und Technologie umfasst. Warten Sie nicht, bis Ihre wertvollsten Mitarbeiter die Tür hinter sich schliessen. Beginnen Sie jetzt mit der strukturierten Analyse und Umsetzung, um die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens aktiv zu gestalten.