Veröffentlicht am Mai 12, 2024

Die Effizienz von Automation im E-Mail-Marketing führt oft direkt in die Spam-Falle, weil Unternehmen Technologie über den Menschen stellen.

  • Wahre Personalisierung entsteht nicht durch Platzhalter wie „[Vorname]“, sondern durch das strategische Sammeln und Nutzen von freiwillig geteilten Kundendaten (Zero-Party-Daten).
  • Der Schlüssel liegt darin, Automation nicht als Massenversand-Werkzeug, sondern als Instrument für einen skalierbaren, persönlichen Dialog zu verstehen.

Empfehlung: Fokussieren Sie sich weniger auf die Anzahl der versendeten E-Mails und mehr auf die Relevanz jedes einzelnen Kundenkontakts, indem Sie datenbasierte Trigger und eine ultrafeine Segmentierung nutzen.

Für CRM-Manager und E-Mail-Marketer ist es ein täglicher Spagat: Die Geschäftsführung fordert Effizienz und Skalierbarkeit, was unweigerlich zu mehr Automation führt. Gleichzeitig steigt die Angst, durch unpersönliche Massen-Mails als Spammer wahrgenommen zu werden und wertvolle Kunden zu verärgern, was sich in hohen Abmelderaten niederschlägt. Die gängigen Ratschläge – „segmentieren Sie Ihre Listen“ oder „nutzen Sie den Vornamen“ – greifen hier längst zu kurz. Sie sind zur reinen Formsache verkommen und ignorieren die eigentliche Herausforderung.

Das Problem liegt tiefer. Viele Unternehmen nutzen Marketing-Automation-Tools wie eine Giesskanne, in der Hoffnung, irgendwen zu treffen. Sie optimieren Prozesse, aber verlieren die Beziehung zum Menschen aus den Augen. Doch was wäre, wenn die strikten Datenschutzvorgaben der DSGVO in Deutschland nicht als Hürde, sondern als Chance begriffen werden? Eine Chance, das Vertrauen der Kunden durch Transparenz zu gewinnen und einen echten Dialog aufzubauen, der weit über oberflächliche Personalisierung hinausgeht. Die wahre Kunst besteht darin, Automation so intelligent einzusetzen, dass jede E-Mail nicht wie eine von Tausenden, sondern wie eine für einen Einzelnen geschriebene Nachricht wirkt.

Dieser Artikel verlässt die ausgetretenen Pfade. Stattdessen tauchen wir tief in die strategischen und operativen Hebel ein, die den Unterschied zwischen einer geschätzten Nachricht und digitalem Lärm ausmachen. Wir beleuchten, wie Sie durch Verhaltensdaten, Zero-Party-Daten und eine enge Verzahnung von Marketing und Vertrieb eine Automatisierung schaffen, die Beziehungen stärkt, statt sie zu zerstören. Es geht darum, die Technologie dem Menschen dienen zu lassen – und nicht umgekehrt.

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, wie Sie diese anspruchsvolle Balance in der Praxis meistern. Wir behandeln die entscheidenden Aspekte von der feinen Segmentierung über die wirksamsten Trigger-Mails bis hin zur Auflösung der typischen Konflikte zwischen Marketing und Vertrieb.

Wie segmentieren Sie Ihre Liste so fein, dass jede Mail wie handgeschrieben wirkt?

Die Illusion einer handgeschriebenen E-Mail entsteht nicht durch clevere Textbausteine, sondern durch tiefe Relevanz. Der erste Schritt weg vom Giesskannenprinzip ist eine Segmentierung, die weit über demografische Daten hinausgeht. Es geht darum, den digitalen Fussabdruck Ihrer Kontakte zu lesen und zu interpretieren. Welche Produkte hat ein Kunde angesehen? Welche Blogartikel gelesen? An welchem Webinar teilgenommen? Diese Verhaltensdaten sind pures Gold, um automatisierte, aber hoch relevante Inhalte auszuspielen.

Ein weiterer, noch wirkungsvollerer Ansatz ist die lebenszyklusbasierte Segmentierung. Ein neuer Interessent benötigt andere Informationen als ein treuer Stammkunde oder ein „passiver Abonnent“, der seit Monaten keine Mail mehr geöffnet hat. Indem Sie Ihre Kontakte in Phasen wie „Neu“, „Engagiert“, „Kaufbereit“, „Kunde“ und „Inaktiv“ einteilen, können Sie massgeschneiderte Nurturing-Strecken aufbauen, die genau auf die aktuelle Situation des Empfängers eingehen. So fühlt sich der Kontakt verstanden und nicht nur als Teil einer anonymen Liste.

Ein exzellentes Beispiel aus Deutschland ist der Alpenverein München & Oberland. Statt eines generischen Newsletters versendet der Verein automatisierte, personalisierte Geburtstagsgrüsse. Diese enthalten nicht nur Glückwünsche, sondern auch individuelle Rabattcodes für Kurse und Ausrüstung sowie Tourenvorschläge, die auf dem bisherigen Verhalten und den Interessen des Mitglieds basieren. Das ist keine Hexerei, sondern das Ergebnis einer cleveren Kombination aus Verhaltens- und Profildaten, die den entscheidenden Unterschied macht.

Letztendlich geht es darum, von der reinen Datensammlung zur intelligenten Datennutzung zu kommen. Jede Interaktion ist eine Chance, mehr über den Kunden zu lernen und den nächsten Kontakt noch relevanter zu gestalten. Nur so wird aus Automation ein echter Kundendialog.

Welche 3 Trigger-Mails generieren im B2B die höchsten Öffnungsraten?

Im B2B-Umfeld, wo Posteingänge überquellen und Zeit Mangelware ist, gewinnen nicht die lautesten, sondern die relevantesten E-Mails. Trigger-Mails sind hierbei die Königsklasse, da sie nicht auf einem starren Sendeplan basieren, sondern durch eine spezifische Aktion des Nutzers ausgelöst werden. Das macht sie per Definition relevant und zeitlich perfekt platziert. Drei Arten von Trigger-Mails stechen im deutschen B2B-Markt besonders hervor:

Visualisierung der drei effektivsten Trigger-Mail-Typen im deutschen B2B-Markt
  1. Die Willkommens-Sequenz nach der Anmeldung: Der Moment der Anmeldung (z.B. für einen Newsletter oder einen Test-Account) ist der Höhepunkt des Interesses. Eine sofortige, mehrstufige Willkommens-Mail-Serie nutzt dieses Momentum. Sie sollte nicht nur „Danke“ sagen, sondern den Nutzer an die Hand nehmen, die wichtigsten ersten Schritte erklären und den versprochenen Mehrwert liefern.
  2. Verhaltensbasierte Mails bei Interaktion: Diese Mails reagieren auf konkrete Handlungen. Hat ein Lead eine Preisseite besucht? Eine Case Study heruntergeladen? Einen Warenkorb abgebrochen? Eine automatisierte Mail, die genau hier ansetzt, z.B. mit einem Angebot für eine Demo oder weiterführenden Informationen zum angesehenen Produkt, hat eine extrem hohe Relevanz und Öffnungsrate.
  3. Reaktivierungs-Kampagnen bei Inaktivität: Einen inaktiven Kontakt zurückzugewinnen ist oft günstiger als einen neuen zu akquirieren. Eine Trigger-Mail, die automatisch nach z.B. 90 Tagen ohne Interaktion versendet wird, kann Wunder wirken. Sie sollte nicht nur fragen „Wo sind Sie?“, sondern einen echten Anreiz bieten – sei es ein exklusiver Report, eine Zusammenfassung der verpassten Inhalte oder eine simple Frage nach den aktuellen Interessen.

Interessanterweise kann auch der Versandzeitpunkt den Erfolg beeinflussen. Während viele Marketer auf die klassischen Bürozeiten setzen, zeigt der E-Mail-Marketing-Benchmark 2024, dass Mails, die donnerstags zwischen 21 und 24 Uhr versendet werden, eine erstaunlich hohe Öffnungsrate von 33,7 % erreichen können. Dies deutet darauf hin, dass das Erreichen von Entscheidern ausserhalb der Stosszeiten eine lohnende Nischenstrategie sein kann.

Der Erfolg dieser Mails liegt in ihrer Natur: Sie sind keine Unterbrechung, sondern eine erwartete oder zumindest logische Reaktion auf eine Handlung des Nutzers. Sie führen einen begonnenen Dialog fort und sind damit das exakte Gegenteil von unpersönlichem Spam.

Der „Hallo (Firstname)“-Fehler und wie Sie peinliche Platzhalter vermeiden

Nichts entlarvt eine lieblose Massen-Mail schneller als ein peinlicher Platzhalter-Fehler: „Hallo (Firstname),“ oder schlimmer noch, ein leerer Gruss. Es ist das digitale Äquivalent dazu, jemanden mit dem falschen Namen anzusprechen. Dieser Fehler ist ein Symptom für ein viel tiefer liegendes Problem: die Verwechslung von Personalisierungs-Token mit echter Personalisierung. Den Vornamen einzufügen ist heute eine absolute Grundvoraussetzung, aber noch lange kein Garant für eine persönliche Ansprache.

Die Lösung liegt in einem Paradigmenwechsel bei der Datensammlung. Statt sich nur auf implizit gesammelte Daten (Third-Party-Cookies, Tracking) zu verlassen, deren Qualität oft lückenhaft und deren Nutzung aus DSGVO-Sicht heikel ist, sollten Marketer auf Zero-Party-Daten setzen. Das sind Informationen, die Kunden Ihnen bewusst und freiwillig geben. Beispiele hierfür sind Antworten in Umfragen, Präferenzen, die in einem Kundenkonto hinterlegt werden, oder Interessen, die bei der Newsletter-Anmeldung abgefragt werden. Diese Daten sind nicht nur zu 100 % DSGVO-konform, sondern auch von höchster Qualität, weil sie direkt vom Kunden stammen.

Der Prozess, diese Daten schrittweise zu sammeln, nennt sich Progressive Profiling. Statt bei der ersten Anmeldung 20 Felder abzufragen, stellen Sie im Laufe des Kundendialogs immer wieder kleine, kontextbezogene Fragen. Jede Antwort reichert das Kundenprofil an und ermöglicht eine immer präzisere und relevantere Kommunikation. Der Kunde fühlt sich nicht ausgefragt, sondern in einen Dialog einbezogen, bei dem er für seine Informationen einen klaren Mehrwert erhält.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den fundamentalen Unterschied zwischen den Ansätzen:

Zero-Party-Data vs. Traditional Tracking für deutsche Unternehmen
Methode DSGVO-Konformität Datenqualität Kundenvertrauen
Zero-Party-Data 100% konform Sehr hoch Hoch durch Transparenz
Traditional Tracking Eingeschränkt Lückenhaft Niedrig
Progressive Profiling Konform bei Opt-in Hoch Steigend über Zeit

Indem Sie auf Zero-Party-Daten und Progressive Profiling setzen, schaffen Sie eine Vertrauensbasis. Sie zeigen Ihren Kunden, dass Sie ihre Privatsphäre respektieren und ihre Daten nutzen, um ihnen einen besseren Service zu bieten – die beste Versicherung gegen peinliche Platzhalter und das Gefühl, nur eine Nummer in einer Datenbank zu sein.

HubSpot oder Salesforce: Welches Tool passt zu Ihrer Unternehmensgrösse und Komplexität?

Die Frage „HubSpot oder Salesforce?“ dominiert viele Diskussionen über CRM- und Marketing-Automation-Systeme. Doch für viele deutsche Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, ist dies oft die falsche Frage. Während diese US-Giganten mächtige All-in-One-Plattformen bieten, bringen sie oft eine Komplexität und Preisstruktur mit sich, die für die Bedürfnisse und Budgets mittelständischer Unternehmen überdimensioniert sind. Viel wichtiger ist die Frage: Welches Tool bietet eine DSGVO-konforme Datenverarbeitung, einen verlässlichen deutschen Support und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis?

Für den deutschen Markt gibt es eine Reihe spezialisierter Anbieter, die genau diese Kriterien erfüllen. Diese Tools sind oft schlanker, agiler und besser auf die rechtlichen und kulturellen Gegebenheiten in Deutschland und der EU zugeschnitten. Eine Studie von SoftSelect, die über 120 CRM-Systeme für den deutschsprachigen Markt analysierte, hat gezeigt, dass neben den reinen Lizenzkosten vor allem der Schulungsaufwand, die Datenmigration und laufende Anpassungen die „Total Cost of Ownership“ (TCO) in die Höhe treiben. Ein vermeintlich günstiges Einstiegsangebot kann sich so schnell zu einer Kostenfalle entwickeln.

Die Wahl des richtigen Werkzeugs hängt daher stark von der Unternehmensgrösse, der Komplexität der Prozesse und den strategischen Zielen ab. Die folgende Übersicht zeigt einige bewährte Alternativen für den deutschen Mittelstand:

CRM-Tools für den deutschen Mittelstand 2024
Tool Einstiegspreis DSGVO-Server Deutscher Support Mittelstand-Eignung
CleverReach 15€/Monat für 500 Kontakte EU-Server Ja Sehr gut
Brevo (ex-Sendinblue) Flexibles Guthaben-System EU-konform Ja Gut
Inxmail Ab 200€/Monat Deutschland Ja, inkl. Beratung Enterprise

Anstatt also blind dem Hype um die grossen Namen zu folgen, sollten CRM-Manager eine pragmatische Entscheidung treffen. Priorisieren Sie DSGVO-Konformität, deutschsprachigen Support und eine transparente Kostenstruktur. Oft ist die beste Lösung nicht die grösste, sondern die, die am besten zu den eigenen Prozessen und zur Unternehmenskultur passt.

Wie erkennen Sie an Ihren KPIs, dass Ihre Automatisierung die Kunden nervt?

Die klassischen E-Mail-Marketing-KPIs wie Öffnungs- und Klickraten können trügerisch sein. Eine hohe Öffnungsrate bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihre E-Mails geschätzt werden. Es kann auch ein Zeichen für eine reisserische Betreffzeile sein, deren Inhalt dann enttäuscht. Wie der aktuelle E-Mail-Marketing-Benchmark von Inxmail zeigt, ist die durchschnittliche Öffnungsrate zwar leicht gestiegen, doch die effektive Klickrate stagniert oder sinkt sogar. Das ist ein erstes Warnsignal: Die Leute schauen rein, aber interagieren nicht.

Um „Automation Fatigue“ – die Ermüdung und den Ärger der Kunden über zu viele oder irrelevante Mails – wirklich zu messen, müssen Sie tiefer graben und auf „Beziehungs-KPIs“ achten. Der offensichtlichste Indikator ist die Abmelderate. Steigt sie nach dem Start einer neuen Automationsstrecke sprunghaft an, ist das ein klares Alarmsignal. Doch noch gefährlicher sind die „passiven Abmelder“: Kontakte, die auf der Liste bleiben, aber seit Wochen oder Monaten keine einzige Mail mehr öffnen. Sie schaden Ihrer Zustellbarkeit und sind ein untrügliches Zeichen für Desinteresse.

Weitere subtile Indikatoren sind eine sinkende Verweildauer auf den Zielseiten nach dem Klick oder ein Anstieg der direkten Service-Anfragen, die sich auf den Inhalt einer automatisierten Mail beziehen – oft ein Zeichen für unklare oder verwirrende Kommunikation. Die fortgeschrittenste Methode ist die Berechnung eines „Kontakt-Gesundheits-Scores“, der verschiedene positive (Öffnungen, Klicks, Käufe) und negative (lange Inaktivität, Spam-Markierungen) Signale zu einem einzigen Wert verdichtet. Fällt dieser Score für ein Segment, wissen Sie, dass Ihre Strategie angepasst werden muss.

Ihre Checkliste: Engagement-Verlust-Metriken implementieren

  1. Abmelderate nach jedem Newsletter-Versand messen und mit dem Durchschnitt vergleichen.
  2. Ein Segment für „passive Abmelder“ erstellen (z.B. keine Öffnung der letzten 10 Mails) und dieses für spezielle Reaktivierungskampagnen nutzen.
  3. Einen automatisierten Kontakt-Gesundheits-Score im CRM einrichten, der Punkte für positive und Abzüge für negative Interaktionen vergibt.
  4. Die Korrelation zwischen der E-Mail-Frequenz pro Kontakt und der Anzahl an negativen Signalen (Abmeldungen, Service-Anfragen) analysieren.
  5. Eine Kontrollgruppe von 5-10 % der Kontakte definieren, die von bestimmten Automatisierungen ausgenommen wird, und deren Customer Lifetime Value (CLV) vergleichen.

Hören Sie auf die stillen Signale in Ihren Daten. Sie sind oft ehrlicher als eine hohe, aber bedeutungslose Öffnungsrate. Ein proaktives Monitoring dieser Beziehungs-KPIs ist der beste Schutz davor, die Geduld Ihrer Kunden überzustrapazieren und vom geschätzten Partner zum unerwünschten Störenfried zu werden.

Der Nurturing-Fehler, durch den Sie kaufbereite Interessenten an die Konkurrenz verlieren

Einer der kostspieligsten Fehler im E-Mail-Marketing ist ein starrer, undifferenzierter Lead-Nurturing-Prozess. Viele Unternehmen entwerfen eine einzige, lineare „One-size-fits-all“-Strecke, durch die jeder neue Lead geschleust wird – unabhängig von seinem Vorwissen, seiner Position oder seiner Kaufbereitschaft. Das Ergebnis: Ein hochqualifizierter, bereits kaufbereiter Interessent wird wochenlang mit Basis-Informationen gelangweilt, während ein „kalter“ Lead viel zu schnell mit Verkaufsargumenten konfrontiert wird. In beiden Fällen ist die Konsequenz dieselbe: Frustration, Desinteresse und der Verlust des Leads an einen agileren Wettbewerber.

Das Kernproblem liegt oft nicht im Tool, sondern in der Strategie. Eine von CONSENZUM durchgeführte Studie belegt, dass nur 50 % der CRM-Projekte strategisch im Unternehmen verankert sind. Das bedeutet, die Automatisierung wird als reines Effizienz-Werkzeug missverstanden, nicht als Chance, die Kundenprozesse fundamental zu verbessern. Ein effektiver Nurturing-Prozess ist dynamisch. Er muss in der Lage sein, einen Lead auf eine „Überholspur“ zu setzen, wenn dieser kaufbereite Signale sendet (z.B. Besuch der Preisseite, Anforderung einer Demo).

Die Lösung ist eine multidimensionale Content-Eskalation. Anstatt einer einzigen Spur benötigen Sie mehrere, die auf unterschiedliche Personas und Phasen der Customer Journey zugeschnitten sind. Ein technischer Entscheider benötigt andere Inhalte als ein kaufmännischer Leiter. Ein Lead, der eine Case Study herunterlädt, signalisiert ein höheres Interesse als jemand, der nur einen Blogartikel liest. Ihr Automation-Workflow muss diese Signale erkennen und den Lead automatisch in die passende, relevantere Nurturing-Strecke überführen. Deutsche Unternehmen nutzen solche differenzierten Workflows, um beispielsweise komplexe Onboarding-Prozesse oder Reaktivierungskampagnen zum exakt richtigen Zeitpunkt auszuspielen und so die Relevanz massiv zu erhöhen.

Hören Sie auf, Ihre Leads auf eine einzige, starre Reise zu zwingen. Geben Sie ihnen stattdessen eine Landkarte mit verschiedenen Wegen zum Ziel und lassen Sie ihre eigenen Handlungen darüber entscheiden, welchen Weg sie einschlagen. Das ist der Unterschied zwischen Bevormundung und echter, kundenzentrierter Führung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Echte Personalisierung basiert auf Verhaltens- und Zero-Party-Daten, nicht auf dem Vornamen.
  • Die Wahl des richtigen, DSGVO-konformen Tools ist für den deutschen Mittelstand oft wichtiger als die Entscheidung zwischen den US-Giganten.
  • Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Auflösung der Daten-Silos zwischen Marketing und Vertrieb durch ein gemeinsam genutztes CRM.

Das CRM-Problem: Warum der Vertrieb Informationen hortet und wie Marketing drankommt

In vielen Unternehmen ist das CRM-System weniger eine Brücke als eine Mauer zwischen Marketing und Vertrieb. Das Marketing generiert Leads, übergibt sie – und verliert sie dann aus den Augen. Der Vertrieb hingegen dokumentiert wichtige Kundeninformationen, Einwände und Kaufsignale im CRM, aber diese wertvollen Daten fliessen nur selten zum Marketing zurück. Dieses Phänomen der Daten-Silos ist eine der grössten Bremsen für eine effektive, kundenzentrierte Kommunikation.

Die Ursache ist oft menschlich. Eine CONSENZUM-Studie zeigt, dass 80 % der CRM-Projekte Ängste bei Anwendern auslösen, die in zwei Dritteln der Fälle zu aktivem Widerstand führen. Vertriebsmitarbeiter fürchten oft, durch zu viel Transparenz kontrolliert oder gar ersetzbar zu werden. Ihr Wissen über den Kunden ist ihr Kapital, das sie nur zögerlich teilen. Für das Marketing ist das fatal, denn ohne das Feedback des Vertriebs zu Lead-Qualität und Kundenbedürfnissen optimieren sie ihre Kampagnen im Blindflug.

Die Lösung ist, das CRM als zentrales Kollaborations-Tool neu zu positionieren. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um geteiltes Wissen zum Wohle des Kunden. Eine aktuelle Studie von ADITO unterstreicht diesen Wandel: Die Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Abteilungen ist 2024 das zweitwichtigste CRM-Ziel für deutsche Unternehmen. Ein gut implementiertes CRM ermöglicht den schnellen und nahtlosen Informationsaustausch und schafft eine „Single Source of Truth“.

Überwindung von Informationssilos zwischen Marketing und Vertrieb durch CRM

Marketing muss proaktiv den Zugang zu den relevanten CRM-Feldern einfordern, und die Führungsebene muss eine Kultur des Teilens etablieren. Wenn der Vertrieb erkennt, dass er durch die Daten des Marketings bessere, vorqualifizierte Leads erhält, und das Marketing durch die Insights des Vertriebs relevantere Kampagnen erstellen kann, entsteht eine Win-Win-Situation, von der am Ende vor allem einer profitiert: der Kunde.

Wie beenden Sie den ewigen Konflikt zwischen Marketing und Vertrieb über Lead-Qualität?

„Die Leads vom Marketing sind wertlos!“ – „Der Vertrieb bearbeitet unsere Leads nicht schnell genug!“ Dieser klassische Konflikt zwischen Marketing und Vertrieb ist in vielen Unternehmen an der Tagesordnung und kostet bares Geld. Die Wurzel des Problems ist fast immer dieselbe: eine fehlende, gemeinsame Definition dessen, was einen „guten Lead“ ausmacht. Das Marketing optimiert auf Quantität (Anzahl der Leads), der Vertrieb benötigt Qualität (Abschlusswahrscheinlichkeit). Solange beide Abteilungen mit unterschiedlichen Zielen und Kennzahlen arbeiten, ist der Konflikt vorprogrammiert.

Die Lösung ist die Etablierung eines „Closed-Loop-Reportings“, das auf einer gemeinsamen Datenbasis im CRM aufsetzt. Dies bedeutet, den gesamten Lebenszyklus eines Leads transparent nachzuverfolgen – von der ersten Marketing-Interaktion bis zum finalen Verkaufsabschluss (oder der Disqualifizierung). Die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen wird immer wichtiger, wie eine aktuelle CRM-Studie für 2024 zeigt, laut der 40 % der Unternehmen die Optimierung der Zusammenarbeit als Top-Priorität sehen.

Der erste Schritt ist die gemeinsame Definition von klaren Lead-Stufen, typischerweise als Marketing Qualified Lead (MQL) und Sales Qualified Lead (SQL). Ein MQL ist ein Lead, der aufgrund seines Verhaltens (z.B. Download eines Whitepapers) vom Marketing als interessant eingestuft wird. Ein SQL ist ein MQL, der vom Vertrieb geprüft und als unmittelbar verfolgenswert akzeptiert wurde. Entscheidend ist, dass der Vertrieb im CRM einen verbindlichen Grund angeben muss, wenn ein Lead abgelehnt wird (z.B. „kein Budget“, „falscher Ansprechpartner“). Dieses direkte Feedback ermöglicht es dem Marketing, die Targeting-Kriterien kontinuierlich zu schärfen und die Lead-Qualität systematisch zu verbessern.

Die wichtigste gemeinsame Erfolgskennzahl ist letztendlich der generierte Umsatz aus Marketing-Leads. Regelmässige, kurze Meetings zwischen den Teamleitern von Marketing und Vertrieb zur Besprechung der Lead-Qualität und der Disqualifizierungsgründe sind dabei unerlässlich, um die Strategie agil anzupassen.

Beenden Sie den „Krieg der Abteilungen“, indem Sie eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Ziele schaffen. Ein transparentes CRM-System ist dabei nicht nur ein technisches Werkzeug, sondern das Fundament für eine vertrauensvolle und umsatzorientierte Zusammenarbeit, die den Graben zwischen Marketing und Vertrieb endlich schliesst.

Geschrieben von Markus Eder, Head of Global Sales und CRM-Strategieberater mit 18 Jahren Erfahrung im internationalen B2B-Vertrieb. Spezialist für Sales-Automation, Smarketing-Prozesse und Verhandlungen im asiatischen Raum.